Der junge Österreicher hat in Warmbad bei Villach in Kärnten die Erstbegehung von Wunderbare Jahre geschafft. Er sieht die Route am unteren Ende von 9b, wiederholt hat sie noch niemand.

Christian Leitner legt die Latte immer höher. Der 17-Jährige aus Österreich, den der Verband Chrissi nennt, hat Ende Oktober in Warmbad oberhalb von Villach die Erstbegehung von Wunderbare Jahre geschafft. 8a.nu meldete die Begehung am 30. Oktober. Leitner schlägt 9b vor, am unteren Ende des Grades. Bisher waren zwei 9a+-Erstbegehungen seine schwersten Routen. Für einen Kletterer im Jugendalter ist das ein großer Sprung.

Die Linie war ursprünglich gar nicht seine. Andreas Matuska und Mario Schautz haben Wunderbare Jahre als eigenes Projekt eingebohrt, und Leitner durfte es mit ihrem Einverständnis probieren. Nach Kärnten kam er mit einem Trainingslager des österreichischen Nationalteams, das polnische Portal wspinanie.pl spricht von einem Lehrgang des Jugendkaders. Wie viele Tage und Versuche er gebraucht hat, verrät er nicht. Climbing History verzeichnet bisher keine Wiederholung.

Auf Instagram schrieb er, es sei eine der besten Routen, die er je geklettert habe. Er habe viel Zeit und Mühe hineingesteckt, und der Moment, in dem endlich alles zusammenpasste, sei unglaublich gewesen. Matuska und Schautz dankte er dafür, dass er ihr Projekt versuchen durfte, und zollte ihnen großen Respekt für das Einbohren einer so schönen Linie. Zum Grad meinte er, es sei klar seine schwerste Route und ein deutlicher Schritt über seine bisherigen Begehungen hinaus. Im Vergleich mit ähnlich schweren Routen, die er probiert hat, sieht er sie am unteren Ende von 9b und ist gespannt auf die Meinung der Wiederholer.

Genau darauf kommt es an. Im Sportklettern schlägt der Erstbegeher einen Grad nur vor. Fest steht er erst, wenn andere starke Kletterer die Route wiederholt haben und den Vorschlag bestätigen oder eben abwerten. Zur Einordnung: 9b entspricht etwa 5.15b auf der amerikanischen Skala und liegt zwei Stufen über 9a und eine über 9a+, wo bisher Leitners Grenze lag. Solange niemand sonst Wunderbare Jahre klettert, bleibt die 9b seine eigene Einschätzung.

Warmbad ist ein Gebiet für starke Finger. Der steile bis überhängende Kalk oberhalb des Villacher Kurviertels bietet rund 113 Routen, die meisten davon schwer, und liegt im Schatten der Bäume auf etwa 610 bis 740 Metern. Matuska gehört zu den lokalen Erschließern, theCrag führt ihn etwa als Erstbegeher von Estrella, einer 35 Meter langen 11- aus dem Jahr 2019. Die schwerste Route, die theCrag für Warmbad verzeichnet, ist Dead man fighting (8c+), die Verlängerung von Dead man walking (10+/11-). Domen Škofic kletterte sie am 23. Juni 2018 als Erster frei. Hält Leitners Vorschlag, läge Wunderbare Jahre drei Grade darüber und wäre ein neuer Maßstab für diesen Teil Kärntens.

Gebouldert wurde im Trainingslager auch. Leitner kletterte dabei auch Bügeleisen (8B+), Klem Loskots Boulderklassiker im Maltatal. Es ist dasselbe Tal wie auf unserem Titelbild, nur ein anderer Klettergarten.

Sein Aufstieg ist rasant und trotzdem stetig. Mit drei Jahren hat er mit dem Klettern angefangen, mit sechs die ersten Wettkämpfe bestritten, und mit zehn gelangen ihm seine erste 8a und seine erste 8b. Seine erste 9a, Martin Krpan, gelang ihm 2023 mit 14 bei einem Lehrgang des Jugendnationalteams. Ein Jahr später kletterte er Napalm in the morning (9a) in den Adlitzgräben in rund 20 Versuchen und hatte da schon mehr als 60 Routen ab 8a auf der Liste. Im März 2025 eröffnete er im Zigeunerloch bei Graz Der Rote Baron, eine Verbindung von Public Enemy (8c) in Zigeunerbaron (8b), und nannte die Route eine weiche 9a+. Am 9. April 2026 folgte mit Illusion of Lactate eine weitere 9a+-Erstbegehung in derselben Höhle. Beide scheinen noch unwiederholt. Nebenbei hat er auch Xaxid Hostel (9a) in Osp und seine eigene Route Lügenbaron (8c+) geklettert.

Auch am Plastik ist er vorne dabei. Im September holte er bei der Jugend-EM in Augsburg Silber im Lead der U19. Im Halbfinale und im Finale kam er genauso hoch wie der Sieger und verlor erst durch das Qualifikationsergebnis. „Gold wäre möglich gewesen. Chrissi war im Finale gleich weit wie der Sieger, im Semifinale ebenfalls. Auch in der Finalroute wäre noch etwas möglich gewesen. Das zeigt, welches Potenzial er hat“, sagte KVÖ-Trainerin Celina Schoibl. Bei derselben EM gab es übrigens zwei Bronzemedaillen für Tschechien.

Teenager ganz oben auf der Skala überraschen inzwischen niemanden mehr. Ola Vekve eröffnete mit 18 Kjernekraft (9a/+), und Österreich hat mit Jakob Schubert den Kletterer, dem die erste Wiederholung von DNA (9c) gelang. Überhaupt ist es ein starker Herbst für Österreich: Jessica Pilz mit Hades und Maggie Kompein mit Speed Intégrale haben beide ihre erste 9a geklettert. Mehr zu aktuellen 9b-Erstbegehungen gibt es bei Alex Megos in Slice of Heaven und Seb Bouin in Le Chant des Muses.

Quellen: 8a.nu, wspinanie.pl, Climbing History, 8a.nu (Napalm in the morning), Austria Climbing, climbing.plus, Climbing History (Illusion of Lactate), theCrag (Warmbad)

Titelbild: Symbolfoto des Klettergartens Kreuzwand im Maltatal, Kärnten. Es zeigt weder Christian Leitner noch die Route Wunderbare Jahre. Das Bild ist bis auf das climbing.place-Wasserzeichen unbearbeitet. Foto: Naturpuur, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.