Der junge Italiener hat Gabriele Moronis Mascella Serrata im ersten Versuch seines dritten Tages in der Route geklettert. Etwa eine Woche später saß er schon im Flieger nach Chile, zum letzten Lead-Weltcup der Saison.
Ernesto Placci wusste genau, was er von diesem Herbst am Fels wollte. „Mein Hauptziel für diese Felssaison war meine erste 9a“, sagte der 20-Jährige gegenüber 8a.nu. Haken dran. Gefallen ist Mascella Serrata in Arco, eine natürliche Linie, die seit ihrer Erstbegehung Anfang des Jahres einen starken Wiederholer nach dem anderen angelockt hat. Auf Instagram hielt er sich kurz. Seine erste Route in diesem Grad.
Ganz so schnell ging es aber nicht. Placci wohnt inzwischen in Arco, und dort war es im letzten Monat noch ziemlich warm. Ein passendes Projekt zu finden, fiel ihm schwer. Dann hörte er, dass Mascella Serrata gute Bedingungen hatte, und stieg ein. Zwei Tage lang tüftelte er an den Zügen und suchte die Beta, die am besten zu ihm passt, erzählte er 8a.nu. Am dritten Tag ging die Route gleich im ersten Versuch. Auf Instagram zeigte er die Begehung am 22. Oktober, laut 8a.nu gelang sie rund eine Woche vor seiner Abreise zum Weltcup nach Chile.
Geschenkt bekommt man in dieser Route nichts. Es gebe zwei Hauptcruxe, getrennt durch einen Kneebar, in dem er sich erst einmal zurechtfinden musste. Und wer beide Cruxe hinter sich hat, ist noch lange nicht durch. Bis zum Umlenker heißt es gegen den Pump ankämpfen. Ausgecheckt hat er die Züge mit Riccardo Vicentini und Tommaso Lamboglia. Den ganzen Prozess mit Freunden zu teilen und den Durchstieg gerade mit Lamboglia zu holen, habe das Ganze noch besonderer gemacht, schrieb er. Die Fotos stammen von Crimp Films.
Dabei ist Mascella Serrata noch ganz frisch. Gabriele Moroni hat sie eingebohrt, laut Climbing History 2024, und Anfang 2026 mit 38 Jahren selbst erstbegangen. Danach ging es Schlag auf Schlag. Alex Ventajas brauchte für die erste Wiederholung vier Tage und geriet ins Schwärmen. Eine perfekte, ganz natürliche Linie, ein echtes Muss in Arco. Im März folgte Silvio Reffo. Im April kletterte Stefano Ghisolfi die Route an einem einzigen Tag, im vierten Versuch, nachdem ihm im dritten ein Griff ausgebrochen war. Und Laura Rogora schaffte sie am 22. April im dritten Versuch eines Klettertags und legte am selben Tag noch Continental (8b+) onsight nach.
Im Oktober war Tommaso Lamboglia an der Reihe. Der 21-Jährige aus Rom war erst einen Monat zuvor nach Arco gezogen und brauchte für Mascella Serrata drei Tage. Zusammen mit Omen Nomen waren das seine ersten beiden 9a. Auf der Routenseite von 8a.nu stehen inzwischen fünf eingetragene Begehungen, und Placci findet sich in einer Runde wieder, zu der schon Ghisolfi und Rogora gehören. Wer die Route geklettert hat, erzählt Ähnliches. Ein harter Einstieg, an dem Ventajas eine Exe erst später einhängte. Zwei boulderartige Cruxe mit einem unbequemen Kneebar dazwischen. Und ein Finale, in dem der Pump bis zum Umlenker nicht nachlässt.
Placci stammt aus Faenza und klettert seit 2014. 8a.nu zählt vor Mascella Serrata sechs 8c+ auf seiner Liste, darunter Zauberfee am Eremo di San Paolo in Arco. Zum Vergleich: 9a entspricht etwa 5.14d auf der amerikanischen Skala. Auch im Wettkampf ist er unterwegs. Beim Lead-Weltcup in Santiago am 24. und 25. Oktober, der letzten Station der Saison, landete er auf Platz 22. Gewonnen haben dort Janja Garnbret und Jonas Utelli, wie wir berichtet haben. Klettern liegt bei den Placcis in der Familie. Bruder Giovanni holte im Mai in Arco den italienischen Lead-Meistertitel, Ernesto wurde Fünfter.
Zum Durchschnaufen bleibt kaum Zeit. Laut 8a.nu blieb er bis 1. November in Santiago. Vom 7. bis 21. November geht es dann mit seinem Bruder und Filip Schenk, der kürzlich Vivi si muore (9a) geflasht hat, nach Villanueva del Rosario in Spanien. Der Plan: ein paar 9a probieren. Und zu Hause wartet noch eine offene Rechnung. Omen Nomen (9a) in Padaro hat er vor der Abreise nach Chile probiert, geklettert hat er sie aber noch nicht.
Selbst Lust auf Italien? In unserem Rock-Master-Guide steht, welche Felsen rund um Arco sich lohnen. Und wer noch mehr über eine lang ersehnte erste 9a lesen will, erfährt hier, wie Jessica Pilz endlich Hades an der Götterwandl geklettert hat.
Quellen: 8a.nu, Instagram (Ernesto Placci), 8a.nu (Moroni), 8a.nu (Ventajas), 8a.nu (Ghisolfi), Desnivel (Rogora), 8a.nu (Lamboglia), Up-Climbing, Climbing History
Titelbild: der Sektor Policromuro in Massone bei Arco, mit einem Kletterer in der Wand. Das ist nicht Mascella Serrata und kein Foto von der Begehung. Foto: Thomas Ribière, CC BY-SA 2.0 FR, via Wikimedia Commons. Das Bild wurde zugeschnitten.





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