Aus der kalifornischen Kletterszene gibt es eine wichtige Neuigkeit: Der 22-jährige Allrounder Connor Herson hat die lang erwartete zweite Begehung von Towing the Line geschafft. Diese Begehung ist die erste Wiederholung der Route seit ihrer Erstbegehung durch Carlo Traversi im Jahr 2020.

Obwohl die Begehung bereits im Rahmen des Black Diamond Athlete Summit Ende letzten Jahres stattfand, hat die Veröffentlichung des Filmmaterials und der Details diese Woche diese eher unauffällige Prüfungsroute wieder ins Rampenlicht gerückt.

Die Route: Ein verstecktes Juwel in Tahoe

Towing the Line befindet sich am Empath Cliff (Silver Fork Wand) in der Nähe von Kirkwood, Kalifornien, und liegt direkt links von der weltberühmten Route Empath (5.15a). Die beiden Routen könnten jedoch unterschiedlicher nicht sein.

  • Schwierigkeitsgrad: Ursprünglich von Traversi mit 5.14b (8c) bewertet. Herson enthielt sich einer konkreten Aufwertung, merkte aber an, dass sie in der Schwierigkeit ähnlich wie Empath (die je nach Beta zwischen 5.14d und 5.15a liegt) empfunden wird.
  • Stil: Im Gegensatz zum physischen, kompressionslastigen Tufa-System von Empath ist Towing the Line ein Meisterwerk des technischen Granitkletterns. Sie zeichnet sich durch dünne Risse, mikroskopisch kleine Leisten, prekäre Tritte und eine anstrengende, boulderartige Schlüsselstelle aus.
  • Geschichte: Erstbegangen von Carlo Traversi im Oktober 2020.

Die Begehung

Trotz der Beliebtheit der Wand aufgrund von Empath hatte diese technische Plattenkletterroute jahrelang Interessenten abgeschreckt, bis zu Hersons jüngstem Versuch. Bekannt für seine Vielseitigkeit – von der freien Begehung von The Nose am El Capitan bis zum Bezwingen schwieriger Trad-Routen in Squamish – war Herson der perfekte Kandidat, um die komplexe Bewegung der Route zu entschlüsseln.

"Die beiden Routen könnten stilistisch kaum unterschiedlicher sein, aber was Towing the Line an Popularität fehlt, macht sie in der Qualität mehr als wett: klassischer Carlo Traversi Power-Tech-Stil an einer langen, auffälligen Linie auf perfektem Granit mit abwechslungsreichen, durchdachten Bewegungen." — Connor Herson

Herson beschrieb die Schlüsselstelle als schwer zu entschlüsseln und forderte immense Präzision. Als er die Sequenz jedoch einmal gefunden hatte, stellte er fest, dass sie wiederholbar war, was seine typische technische Kompetenz unter Beweis stellte.


Black Diamond hat gerade das Filmmaterial der Begehung veröffentlicht und bietet einen seltenen Einblick in diese technische Granit-Prüfungsroute.