Seit Jahrzehnten ist der Weg zum Mount Everest gepflastert mit Ehrgeiz, Geld und unterschiedlichem Grad an Vorbereitung. Doch wenn die Regierung Nepals ihren Willen durchsetzt, wird es deutlich schwieriger, das "Ticket zur Besteigung" zu lösen. Ein neuer Gesetzesentwurf zum Tourismus, der derzeit das Parlament durchläuft, schlägt eine strenge neue Voraussetzung vor, die die Landschaft kommerzieller Expeditionen für immer verändern könnte.
Der Kernvorschlag: Eine Himalaya-Voraussetzung
Die aufsehenerregende Regel ist einfach, aber streng: Angehende Everest-Bergsteiger müssen zuerst einen 7.000-Meter-Gipfel (22.965 Fuß) speziell in Nepal besteigen.
Bislang verlangten seriöse Bergführer "nachweisliche Höhenerfahrung". Diese konnte vom Aconcagua (6.961m) in Argentinien, dem Denali (6.190m) in Alaska oder dem Pik Lenin (7.134m) in Tadschikistan stammen. Nach dem neuen Vorschlag würden diese Gipfel nicht mehr zählen als Qualifikation für eine Everest-Genehmigung.
Über die 7.000-Meter-Regel hinaus: Weitere wichtige Änderungen
Während die Erfahrungsvoraussetzung im Mittelpunkt steht, umfasst der Gesetzentwurf eine Reihe weiterer Änderungen, die auf Sicherheit und wirtschaftliche Kontrolle abzielen:
- Keine Solo-Besteigungen mehr: Ein vollständiges Verbot von Solo-Besteigungen und unbegleiteten Expeditionen. Jeder Bergsteiger muss von einem Guide begleitet werden.
- Obligatorische nepalesische Guides: Eine Anforderung, dass für je zwei Bergsteiger ein lizenzierter nepalesischer Guide zur Verfügung steht, was die Beschäftigung lokaler Sherpas fördert.
- Preiserhöhung: Die Genehmigungsgebühr für ausländische Bergsteiger während der Frühjahrssaison soll von 11.000 $ auf 15.000 $ steigen.
- Umweltauflagen: Strengere Abfallmanagementprotokolle, einschließlich der obligatorischen Verwendung von biologisch abbaubaren "Kotbeuteln", die vom Berg getragen werden müssen.
Die Kontroverse: Sicherheit oder Protektionismus?
Die Reaktion der globalen Klettergemeinschaft war schnell und gespalten.
Das Argument für die Sicherheit
Befürworter argumentieren, dass der Everest zu einem Spielplatz für "Extremtouristen" geworden ist, denen es an grundlegenden Steigeisen-Fertigkeiten mangelt. Indem die Regierung Bergsteiger dazu zwingt, einen nepalesischen 7.000er (wie Himlung Himal oder Baruntse) zu bezwingen, stellt sie sicher, dass diese die spezifischen logistischen, kulturellen und atmosphärischen Bedingungen des Himalayas erlebt haben, bevor sie sich an den "Großen" wagen.
Die Sicht der Skeptiker
Kritiker weisen auf einige Mängel in der Logik hin:
- Nicht alle Gipfel sind gleich: Eine technische Besteigung des Denali ist wohl eine bessere Vorbereitung auf den Everest als eine geführte "Begehung" eines nicht-technischen 7.000-Meter-Gipfels in Nepal.
- Wirtschaftliche Motive: Indem Nepal Besteigungen in den Anden oder Alaska für ungültig erklärt, zwingt es Bergsteiger effektiv dazu, zwei Expeditionen in Nepal zu buchen, wodurch die Tourismuseinnahmen verdoppelt werden.
- Engpässe: Es besteht die Befürchtung, dass "leichtere" 7.000-Meter-Gipfel in Nepal nun gefährlich überfüllt werden, da jeder seine Voraussetzung abhaken möchte.
Wann wird das passieren? Status: Offen
Es ist wichtig zu beachten, dass dies noch kein Gesetz ist. Der Gesetzentwurf hat die Nationalversammlung (Oberhaus) passiert, muss aber noch das Repräsentantenhaus durchlaufen und die Zustimmung des Präsidenten erhalten.
Die meisten Experten, einschließlich Branchenkenner wie Alan Arnette, glauben, dass es aufgrund des langsamen Gesetzgebungsprozesses unwahrscheinlich ist, dass es für die Frühjahrssaison 2026 vollständig durchgesetzt wird. Bergsteiger, die für 2027 und darüber hinaus planen, sollten jedoch Nepals 7.000-Meter-Inventar ernsthaft in Betracht ziehen.