Während der Großteil der Kletterwelt für die Wintersaison in die Kletterhalle abgewandert ist, erlebt das Yosemite Valley derzeit einen historischen "Spätsaison"-Boom. Dank eines Zeitfensters mit knackig-trockenen Bedingungen haben der El Capitan und die umliegenden Granitkathedralen eine Reihe von Weltklasse-Begehungen gesehen, die beweisen, dass der Winter vielleicht die neue Blütezeit für Reibung ist.
Die El Cap Ausdauer: Magic Mushroom (5.14a)
Das Glanzstück dieser Woche ist die Doppel-Begehung von Magic Mushroom am El Capitan. Der britische Kletterer Jim Pope und der Amerikaner Sam Stroh haben erfolgreich die 5. und 6. freie Begehung dieser gewaltigen 31-Seillängen-Route für sich verbuchen können.
Ursprünglich 1972 als technische Route eingerichtet, wurde Magic Mushroom 2008 von Tommy Caldwell und Justen Sjong erstmals frei geklettert. Sie gilt weithin als eine der ästhetischsten – und schwierigsten – freien Routen am Big Stone.
- Die Schwierigkeit: Die Route weist fast ein Dutzend Seillängen im Grad 5.13 oder schwerer auf, die in einem atemberaubenden 5.14a-Schlüsselstelle münden.
- Der Stil: Anders als der Freerider, der mehr Rastpunkte bietet, ist Magic Mushroom ein unnachgiebiges technisches Teststück, das dünne Risse und heikles Stemmen beinhaltet.
- Die Leistung: Für Pope und Stroh markiert die Begehung einen riesigen Meilenstein in ihren Big-Wall-Karrieren, da sie den logistischen Albtraum des Materialtransports und des Warmbleibens bei Dezembertemperaturen bewältigen mussten.
Technische Perfektion: Pietro Vidi und Magic Line (5.14c)
Nur eine kurze Strecke vom Fuß des El Capitan entfernt hat der italienische Ausnahmekletterer Pietro Vidi seinen Namen auf die kurze Liste der Legenden gesetzt, die die Magic Line bezwungen haben. Dies ist nicht nur eine schwere Route; sie gilt weithin als eine der schwierigsten und technischsten traditionellen (Trad-)Kletterrouten der Welt.
"Die Magic Line ist eine Meisterklasse der Subtilität. Man kämpft nicht nur gegen die Schwerkraft, sondern auch gegen die Physik der Reibung an einigen der dünnsten Sicherungsmittel, die man sich vorstellen kann."
Was macht die Magic Line so besonders?
- Die Geschichte: 1996 erstmals von Ron Kauk im Toprope geklettert, wurde sie erst 2018 von seinem Sohn Lonnie Kauk im Vorstieg mit eigener Sicherung gemeistert.
- Die Schlüsselstelle: Die Route folgt einem hauchdünnen Riss, der eine hyper-spezifische Körperpositionierung und "Micro-Nuts" zur Sicherung erfordert.
- Vidís Begehung: Diese Wiederholung festigt Pietro Vidís Ruf als aufsteigender Stern in der internationalen Trad-Kletterszene und zeigt die unglaubliche technische Tiefe der neuen Generation europäischer Kletterer.
Warum sich die "Nebensaison" ändert
In den vergangenen Jahren war Yosemite Mitte bis Ende Dezember Touristen und Gelegenheitswanderern vorbehalten. Doch mit der Entwicklung der Gummitechnologie und einem besseren Verständnis der "Reibungsfenster" suchen Elitekletterer die Kälte. Der Bereich von 30°F bis 45°F (ca. -1°C bis 7°C), obwohl für den Sichernden unangenehm, bietet die "griffigen" Granitbedingungen, die erforderlich sind, um sich an den mikroskopischen Kristallen auf Routen wie der Magic Line festzuhalten.
Bleiben Sie dran für weitere Updates, denn die Wintersaison liefert weiterhin überraschende Begehungen!