Nur Monate nach seiner Begehung von Mount Doom hat die österreichische Kletterlegende Jakob Schubert erneut zugeschlagen. In einer beeindruckenden Demonstration von Kraft und Vielseitigkeit gelang Schubert eine seltene Wiederholung von Sean Baileys Shaolin (9A/V17) in Red Rocks, Nevada. Dies ist sein dritter Boulder dieses Schwierigkeitsgrades und festigt seinen Status als einer der vielseitigsten Kletterer der Geschichte.

🧗 Routenprofil: Shaolin

  • Schwierigkeitsgrad: 9A (V17)
  • Ort: First Creek Canyon, Red Rocks (USA)
  • Erstbegehung: Sean Bailey (2024)
  • Stil: Sandstein, kurz, maximale Kraft
  • Hauptmerkmale: Zwei eigenständige, extrem geringprozentige Schlüsselstellen.

Die Begehung: Ein Kampf zwischen Haut und Geist

Im Gegensatz zu seinen früheren 9A-Begehungen – Alphane und Mount Doom –, die lange, ausdauerlastige Granitrouten sind, ist Shaolin eine völlig andere Herausforderung. Es ist ein kurzes, kraftvolles Sandstein-Testpiece, das durch zwei massive, komplexe Züge gekennzeichnet ist.

Schubert beschrieb den Prozess als eine mentale und physische Achterbahnfahrt. Die Sandsteintextur strapazierte seine Haut, was ihn dazu zwang, längere Ruhetage einzulegen und sogar für etwas Vorstiegsklettern nach Arizona auszuweichen, um seine Fingerspitzen heilen zu lassen.

"Ich habe mich sofort verliebt ;-) wirklich einer der besten Boulder der Welt. Ein stolzer, ästhetischer Block, perfekte Landung, offensichtlicher Start, geniale Griffe und nicht nur einer, sondern gleich zwei der coolsten Züge, die ich je gemacht habe."
Jakob Schubert

Der Durchstieg war nicht einfach. Schubert enthüllte, dass während seiner Versuche ein kleiner Griff abbrach, was eine zusätzliche physische Schwierigkeit, aber vor allem eine mentale Hürde darstellte. Er musste Mikro-Betas, die er bereits verinnerlicht hatte, neu lernen. Der erfolgreiche Top-Out gelang schließlich am vorletzten Tag seiner Reise und setzte seiner Amerikatour einen dramatischen Schlusspunkt.

Die "Nebenmission": The Nest (8C/V15) stilvoll gemeistert

Als ob die Begehung eines der schwersten Boulder der Welt nicht schon genug wäre, schaffte es Schubert, einen Weltklasse-Klassiker abzuhaken, während er für sein Hauptprojekt "pausierte".

Während er seine strapazierten Fingerspitzen für Shaolin schonte, wanderte er zu Daniel Woods' legendärer Linie, The Nest (8C/V15). Berichten zufolge bewältigte er die Linie im Handumdrehen, im Flash oder in sehr wenigen Versuchen, was seine derzeit unantastbare Form erneut unter Beweis stellt.

Schubert ist nun einer der ganz wenigen Kletterer in der Geschichte, der drei V17-Boulder (Alphane, Mount Doom, Shaolin) sowie eine 5.15c-Sportkletterroute (B.I.G.) und eine olympische Medaille geklettert ist. Seine Fähigkeit, zwischen Wettkampfstil, schwerem Granit-Sportklettern und purem Sandstein-Power-Bouldern zu wechseln, ist praktisch unübertroffen.

Mit der Wettkampfsaison 2026 am Horizont wirkt Schubert stärker denn je. Diese Reise nach Red Rocks hat eindrucksvoll daran erinnert, dass Jakob Schubert, ob am Seil oder auf der Bouldermatte, eine Naturgewalt bleibt.