Ein dreckiges, steifes Seil blockiert im Sicherungsgerät, krangelt ohne Ende und verschleißt im Zeitraffer. Dabei ist Seilpflege kein Hexenwerk. Der größte Feind ist nicht der Sturz, sondern Schmutz: Feine Partikel arbeiten sich in den Mantel und mahlen die Fasern von innen ab. Ein Seilsack oder eine Plane am Fels wirkt Wunder.

Waschen und Trocknen

Wenn das Seil beim Sichern die Hände schwarz färbt oder steif wird, gehört es in die Badewanne. Weich es in lauwarmem Wasser ein. Handwäsche ist ideal, alternativ geht der Schonwaschgang bei 30 °C ohne Schleudern – verpacke es dazu in einem Kopfkissenbezug. Nutze ausschließlich spezielles Seilwaschmittel oder extrem mildes Schongel; normales Waschmittel schadet den Fasern. Trockne das Seil locker in Schlaufen ausgebreitet auf dem Boden im Schatten. Niemals aufhängen, niemals aufschießen: Der Kern braucht Luft, sonst trocknet er tagelang nicht.

Lagerung und Prüfung

Kühl, trocken und fern von UV-Licht lagern, denn Sonnenstrahlen zersetzen Nylon. Halte es strikt von Chemikalien wie Batteriesäure oder Lösungsmitteln fern. Beim Verstauen gilt: locker flaken statt fest schnüren.

Lass das Seil ab und zu durch die Hände laufen. Fühl nach flachen Stellen, weichen Abschnitten oder aufgerauten Stellen. Deine Hände finden den Schaden oft, bevor deine Augen ihn sehen.

Ausmustern

Bei Kernschaden oder einem Mantelschnitt, der den Kern freilegt, ist das Seil sofort Geschichte. Nach einem extremen Sturz gilt das gleiche. Die Lebensdauer variiert von wenigen Jahren bei intensiver Nutzung bis zu einem Jahrzehnt bei seltenem Einsatz. Wenn das Seil beim Sichern oder nach einem weiten Sturz kein gutes Gefühl mehr gibt: Schneid es in Stücke, damit es niemand mehr benutzt. Deine Knochen sind teurer als ein neues Seil.