Hohe Wände, überall dieser feine Chalkstaub in der Luft und Leute, die scheinbar völlig mühelos die steilsten Wände hochrennen – ja, die erste Kletterhalle kann einschüchtern. Ist aber halb so wild. Die Hallen sind voll auf Neulinge eingestellt, und am Ende läuft der erste Besuch viel unkomplizierter ab, als man denkt.

Die Kletterschuhe müssen ziemlich eng sitzen – und ja, das tut am Anfang weh, wunder dich also nicht. Ich trage sie bis heute barfuß, weil man einfach mehr Gefühl für die Tritte hat, aber für den ersten Tag tun es auch ganz dünne Socken, damit es in den Leihschuhen nicht ganz so fies ist.

Wenn du noch nach der passenden Kletterhalle in deiner Nähe suchst, schau einfach kurz online. Ein Blick auf deren Website schadet vor dem ersten Besuch eh nicht: Oft kann man sich dort schon vorab registrieren, was am Empfang Zeit spart. Wenn du da bist, sag einfach direkt am Tresen Bescheid, dass du zum ersten Mal kletterst. Beim Bouldern – also Klettern auf Absprunghöhe über dicken Matten – erklären sie dir kurz die Sturzregeln und die Farbskalen der Routen. Fürs Seilklettern brauchst du ohnehin einen Sicherungskurs oder jemanden, der dich sichert. Es sei denn, die Halle hat Autobelays. Das sind diese automatischen Sicherungsgeräte unter der Decke, für die du nach einer kurzen Einweisung direkt startklar bist.

An der Wand macht fast jeder am Anfang denselben Fehler – ich habe damals auch nach zehn Minuten wie ein nasser Sack in den Seilen gehangen: Man versucht, sich mit roher Kraft aus den Armen hochzuziehen. Das hält ungefähr drei Routen lang, dann sind die Unterarme so dicht, dass du nicht mal mehr deine Wasserflasche aufschrauben kannst. Deine Beine sind viel stärker.

In der Halle geht es meistens ziemlich entspannt zu. Die einzige wirklich eiserne Regel: Lauf oder sitze niemals unter jemandem, der gerade in der Wand hängt. Wenn sich Routen kreuzen, spricht man sich kurz ab, und wenn du fertig bist, bürstest du im Idealfall deine Griffe ab, falls du viel Chalk benutzt hast. Wenn du bei einem Boulder nicht weiterkommst, frag einfach jemanden nach der „Beta“ – so nennen Kletterer die Lösung für eine Route. Die meisten helfen sofort und gerne weiter. Falls dir für den Einstieg noch die passende Begleitung fehlt, kannst du dich auf climbing.place auch unkompliziert nach einem Partner umsehen.

Am Tag danach wirst du deine Unterarme spüren. Der Muskelkater kommt garantiert, und das ist okay. Gönn deinen Fingern und Sehnen danach erst mal ein paar Tage Pause, um sich an die neue Belastung anzupassen. Mehr als zwei Sessions pro Woche sind am Anfang ohnehin nicht sinnvoll.